Discusprolaps beim Hund
Bandscheibenvorfälle und ihre Ursachen
Was ist die Bandscheibe?
Die Bandscheibe oder Zwischenwirbelscheibe (lateinisch Discus vertebralis) ist eine flexible, faserknorpelige Bildung, die zwischen zwei Wirbelkörpern (der Wirbelsäule) die Verbindung darstellt.
Sie ist ein elastisches Druckpolster und dient der Beweglichkeit der Wirbelsäule. Die Wirbelsäulenabschnitte sind umso beweglicher, je größer das Verhältnis von Bandscheiben- zu Wirbelkörperhöhe ist.
Was ist ein Bandscheibenvorfall?
Bei einem Bandscheibenvorfall (Discusprolaps lat.) tritt Bandscheibengewebe zwischen den Wirbelkörpern hervor. Dieses Gewebe kann auf die Nerven im Bereich der Wirbelsäule drücken und sie reizen oder stark beschädigen.
Da vor und auch hinter der Bandscheibe Wirbel liegen, kann diese Masse nur in Richtung des elastischen Rückenmarkes ausweichen und drückt dieses zusammen.
Ursachen von Bandscheibenvorfällen
Die Ursachen von Bandscheibenvorfällen sind auf der einen Seite ein alters- und belastungsbedingter Verschleiß (Degeneration) des Bindegewebsrings der Bandscheibe. Er verliert seine Funktion der Stabilisierung und reißt bei großer Belastung ein. Die eingedrückten Rückenmarksnerven, auch Spinalnerven genannt, werden dadurch stark gereizt. Bei einer massiven Quetschung ist die Reizweiterleitung zum Teil so stark gestört, dass es zu Lähmungserscheinungen kommt. Die Häufigkeit von Bandscheibenvorfällen nimmt mit steigendem Alter ab, da der Bandscheibenkern mit fortschreitendem Alter an Flüssigkeit verliert und deshalb seltener austritt. Auf der anderen Seite gibt es rassebedingte Veranlagungen, z.B. bei Hunden mit sehr deutlich längerem Rücken wie beim Dackel, Basset oder Corgi, aber auch zuchtbedingte Veranlagungen bei Qualzuchten wie beim Mops oder der französischen Bulldogge. Auch Übergewicht, Bewegungsmangel und Überbelastung, sowie Verletzungen und Unfälle, oder aber Kombinationen aus allen genannten Ursachen, spielen eine Rolle.
Bandscheibenvorfälle/Discopathien betreffen in den meisten Fällen kleine Hunde, größere Hunde sind viel seltener betroffen (ca. 80/20 %). Bei einem traumatischen Bandscheibenvorfall bekommt die äußere Hülle einer Bandscheibe durch ein stoßartiges plötzliches Trauma, Risse und der gallertige Inhalt quillt hervor.
Treten Lähmungen auf, können diese eine oder beide Hintergliedmaßen betreffen. Es kann aber auch sein, dass alle Gliedmaßen betroffen sind, je nachdem an welcher Stelle der Vorfall stattgefunden hat. Aber auch Blasen- und Enddarmlähmungen sind möglich, welche einen gestörten Urin- und Kotabsatz zur Folge haben können.
In schweren Fällen kann auch das Atemsystem betroffen sein.
Hansen-Typen
In der Tiermedizin unterscheidet man drei Typen von Diskopathien bei Hunden, die nach dem schwedischen Tierarzt Hans-Jörg Hansen benannt sind.
- Hansen-Typ I betrifft vor allem kleine Hunde ab einem Jahr. Hier stehen starke Schmerzen im Vordergrund ausgelöst durch ein Austrocknen des Faserknorpelrings der Bandscheibe und des Vorfallens des Gallertkerns in den Wirbelkanal.
- Hansen-Typ II betrifft eher ältere, größere Hunde ab sechs Jahren und ähnelt dem Bandscheibenvorfall des Menschen. Dieser Typ ist chronisch und weniger schmerzhaft. Hier kommt es zu einem Vorfall des Faserringes. Die Symptome entwickeln sich oft schleichend.
- Hansen-Typ III tritt bei akuter Belastung oder durch ein Trauma auf. Der äußere Faserring reißt und der nicht degenerierte Kern schießt heraus.
Therapie und Prognose
Bandscheibenvorfälle sind therapierbar. Manchmal ist eine konservative Therapie möglich, mit Schmerzmitteln und Physiotherapie.
Bei schweren Lähmungen muss eine Bildgebung erfolgen mittels MRT oder ggf. CT und anschließend ein chirurgischer Eingriff.
Je nach Schwere kann es aber auch sein, dass die Lähmungserscheinungen dennoch nicht, oder nicht vollständig verschwinden.
Eine lange Rekonvaleszenzzeit ist in jedem Fall wahrscheinlich.
Ihr Praxisteam der Tiermedizin am Rothenbaum