Was sind eigentlich maternale Antikörper?
Warum unsere Tiere gesäugt werden und warum sie nicht so schnell von der Mutterhündin abgesetzt werden sollten
Neugeborene Kinder und Welpen (wie Hunde- und Katzenwelpen) besitzen durch maternale (mütterliche) Antikörper eine vorübergehende Immunität - auch passive Immunität genannt. Die Aufnahme der maternalen Antikörper erfolgt tierartabhängig über die Plazenta/ den Mutterkuchen in der Gebärmutter oder über die Biestmilch (Kolostrum). Kolostrum ist die Milch, die als erstes nach der Geburt von der Mutter produziert wird und essentiell wichtig ist für das Immunsystem der Welpen. Bei Hund und Katze werden die meisten maternalen Antikörper über das Kolostrum in den beiden ersten Lebenstagen übertragen. Diese passive Immunität schützt den Welpen zwischen einigen Tagen und einigen Wochen. Dies ist abhängig von der anfänglichen Antikörperkonzentration. Die Dauer wird zudem durch die spezifische Halbwertszeit der Antikörper bestimmt, die für jede Infektionskrankheit typisch ist.
Die Plazenta (Mutterkuchen) ist ein immunologisch aktives Organ, das in der Lage ist mit Infektionen, die das Muttertier befallen haben, zu interagieren und die mütterliche Immunantwort zu modulieren. Der größte Teil der Antikörper wird vom Fetus (ungeborener Welpe) in den letzten vier Wochen der Trächtigkeit erworben.
Das Immunsystem des neugeborenen Welpen ist aufgrund der funktionellen Unreife nicht in der Lage eine schnelle Reaktion auf die zahlreichen Mikroorganismen in der Umwelt zu zeigen. Daher werden beim Säugen die in der Muttermilch enthaltenen Antikörper und weitere immunologisch aktive Substanzen auf den Welpen übertragen. Die aktive Immunisierung beim Welpen beginnt etwa nach 8 Wochen.
Aufnahme, Schutzwirkung und Impfen in der Trächtigkeit
Aktive Impfungen in der Trächtigkeit zielen auf den direkten Schutz der geimpften Hündin vor den jeweiligen Infektionskrankheiten und den schädlichen Auswirkungen auf die Trächtigkeit, sowie auf das Erreichen eines optimalen Nestschutzes für die Welpen hin. Ist die Hündin regelmäßig ausreichend geimpft, ist eine Impfung während der Trächtigkeit nicht notwendig.
Titer, Refraktärzeit und immunologische Lücke
Der Titer der maternalen Antikörper nimmt innerhalb der ersten zwei Lebensmonate erheblich ab. In der Regel verringert er sich jedoch nicht soweit, dass eine aktive Immunisierung mit herkömmlichen Impfstoffen durchgeführt werden kann (Refraktärzeit). Die Impfantigene würden durch die maternalen Antikörper sofort neutralisiert. Daher ist eine aktive Immunisierung erst nach dieser Refraktärzeit möglich. Die Refraktärzeit dauert etwas länger als der Schutz durch maternale Antikörper gegen eine entsprechende Spontaninfektion besteht. Die durch die Impfung hervorgerufene Immunantwort führt jedoch auch anschließend nicht zu einem sofortigen Schutz, da ein schützender Antikörpertiter sowie die Immunantwort vom Körper erst im Laufe einiger Wochen ausgebildet werden müssen. Gegen Staupe, Hepatitis und Parvovirose schützen die Impfstoffe von Intervet jedoch bereits eine Woche nach Impfung. Die Phase niedriger maternaler Antikörpertiter und der nach einer Impfung langsam ansteigende Spiegel körpereigener Antikörper wird immunologische Lücke genannt. Während dieses Zeitraumes ist das Risiko eines Individuums für Infektionen besonders groß. Diese risikoreiche Periode ist zudem von Erreger zu Erreger unterschiedlich.
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Ihr Praxisteam der Tiermedizin am Rothenbaum