Zahnerkrankungen bei Kaninchen

Warum Kaninchen so oft Probleme mit den Zähnen haben

Kaninchen sind häufige Patienten in der tierärztlichen Sprechstunde. Schlechte, bzw. verzögerte Futteraufnahme, unrundes Kauen, selektives Fressen und Gewichtsverlust sind häufige Vorberichte die man als Tierärztin/Tierarzt von der/dem Besitzer*in hört.

Zu einer gründlichen Allgemeinuntersuchung gehört natürlich auch die Inspektion der Maulhöhle.

Durchfall, Bauchschmerzen, verändertes Fressen, Speicheln, Augenausfluss sind dabei häufige zusätzliche Symptome bei Zahnerkrankungen.

Untersuchung und Narkose

Nach Ansicht und Abtasten des Schädels auf Umfangsvermehrungen, Schwellungen, Schmerzen und überprüfen, ob das Fell rund um das Maul mit Futterbrei oder Speichel verklebt ist, wird das Maul mittels speziellem Instrumentarium untersucht. Manchmal müssen Futterreste entfernt werden, damit man es vollumfänglich beurteilen kann.

Eine gründliche Untersuchung des Mauls inklusive eines kompletten Zahnstatus ist nur mit einer Betäubung oder Narkose aufgrund der Verletzungsgefahr für das Tier möglich. Auch Röntgenbilder kann man ohne Narkose nicht anfertigen, da das Tier die Lagerungen nicht tolerieren wird. Mit einem Spreizer gewinnt der Tierarzt/die Tierärztin zunächst vorsichtig einen ersten Eindruck, dennoch sind anschließende Narkosen oft unumgänglich.

Befunde, Schmerzen und Risiken

Häufig sind dabei bereits Zahnhaken sichtbar, welche in die Backenschleimhaut, oder in die Zunge spießen können. Diese können massive Schmerzen verursachen und zu verminderter Futteraufnahme und zum Speicheln führen.

Da die Tiere Schmerzen haben, kommt es oft zu Abwehrbewegungen bei der Untersuchung, dies muss unbedingt einkalkuliert werden. Die Verletzungsgefahr durch diese Abwehrbewegungen ist groß, sie kann zu starken Blutungen im Maulbereich führen. Daher sind oft Narkosen hierfür notwendig und sinnvoll.

Der Tierarzt/die Tierärztin überprüft bei der Untersuchung aber nicht nur, ob Zahnhaken vorhanden sind. Es wird ebenfalls geschaut, ob sich Haare, oder Futterreste zwischen den Zähnen befinden und ob Eiter oder Fremdkörper in der Maulhöhle sind, ob Zähne ich gelockert haben, oder gar abgebrochen sind.

Die Zähne von Kaninchen wachsen kontinuierlich ein Leben lang und werden durch das Kauen kontinuierlich abgeschliffen. Leider unterliegen auch Kaninchen häufigen Qualzuchten. Schlappohren und kurze Nasen sind für viele Tierbesitzer*innen leider sehr attraktiv, da sie das Kindchenschema erfüllen. Leider muss in diesen kurzen, deformierten Köpfen die gleiche Anzahl an Zähnen stattfinden. Und das funktioniert einfach nicht. Fehlstellungen, Zahnhaken, Entzündungen und Abszesse sind die tragische Folge für diese armen Tiere.

Verlauf, Therapie und Ernährung

Man kann davon ausgehen, dass alle Kaninchen und auch Meerschweinchen im Laufe des Lebens Zahnprobleme entwickeln. Diese sind immer behandlungswürdig und werden vom Besitzer/Besitzerin oft übersehen, oder zu spät erkannt. Sie sind nur zu therapieren, nie zu heilen. Zahnpatienten werden meist mindestens einmal im Monat vorgestellt. Dies muss im Vorfeld gut abgesprochen werden, da eine monatliche Narkose auch finanziell stark zu Buche schlägt.

Schaut der Tierarzt, die Tierärztin nur einmal kurz mit einem Otoskop ins Maul, kann er/sie niemals wirklich beurteilen, ob ein Problem vorliegt.

Die richtige Ernährung mit frischen Kräutern und Heu (und sonst nichts) ist das A und O, um die Zähne möglichst lange gesund zu halten.

Ihr Praxisteam der Tiermedizin am Rothenbaum